Allgemeine Notfunkvorstellung nach Krisenkategorien
Im Ernstfall hängen die Wahl der Funkmittel und die Kommunikationswege stark vom Ausmaß der Krise ab. Ein lokaler Stromausfall erfordert andere Taktiken als eine nationale Katastrophe oder ein globaler Infrastrukturausfall. Folgende Übersicht gliedert den Notfunk in drei strategische Ebenen:
Lokaler Notfunk (Nachbarschaft, Gemeinde, Stadtteil)
Szenario: Lokaler Stromausfall (Blackout), Ausfall lokaler Mobilfunkzellen, Unwetter/Sturmschäden im Landkreis, Ausfall des Festnetzes.
- Reichweite: 1 bis 15 Kilometer.
- Primäre Funkdienste: Jedermannfunk (PMR446, Freenet, CB-Funk) sowie Amateurfunk im 2m- und 70cm-Band (VHF/UHF) im Direktmodus (Simplex).
- Ziel: Absprache in der Familie, Unterstützung von Nachbarn, Bildung lokaler "Notfunk-Inseln", Weitergabe von Statusmeldungen an lokale Anlaufstellen (Katastrophenschutz-Leuchttürme).
- Einsatz der 3-3-3 Regel: Extrem wichtig auf dieser Ebene, da Handfunkgeräte meist nur kleine Akkus besitzen und die Laufzeit so von wenigen Stunden auf mehrere Tage gestreckt wird.
Nationaler Notfunk (Bundesland, Gesamtdeutschland)
Szenario: Großflächiger, tagelanger Blackout, Sabotage an kritischer Infrastruktur (Kritis), flächendeckender Ausfall des Internets und des gesamten Handynetzes.
- Reichweite: 50 bis 1000 Kilometer.
- Primäre Funkdienste: CB-Funk (unter guten Bedingungen), primär jedoch lizenzierter Amateurfunk auf Kurzwelle (80m- und 40m-Band) mittels NVIS-Antennentechnik (Near Vertical Incidence Skywave) für verlässliche Steilstrahlung über Deutschland.
- Ziel: Verbindung zwischen weit entfernten Städten und Bundesländern, Lageberichte an den zentralen Krisenstab, Koordination von Hilfsgütern, Unterstützung von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS).
- Digitale Modi: Nutzung von robusten Text- und Datenmodi wie Winlink (E-Mail via Funk) oder JS8Call, um fehlerfreie Listen und Anforderungen zu übermitteln.
Globaler Notfunk (Kontinental, Weltweit)
Szenario: Extreme Weltraumwetter-Ereignisse (starker Sonnensturm / Carrington-Ereignis) mit Zerstörung von Transatlantikkabeln, oder schwere globale Konflikte.
- Reichweite: Mehrere tausend Kilometer bis weltumspannend.
- Primäre Funkdienste: Amateurfunk-Kurzwelle (20m-, 15m-, 10m-Band) via Raumwellenreflexion an der Ionosphäre. Alternativ (solange operabel) kommerzielle und private Satellitennetzwerke (Iridium/Inmarsat, Geostationäre Satelliten wie QO-100 im Amateurfunk).
- Ziel: Internationale Lagemeldungen, Empfang von ausländischen Informations- und Nachrichtendiensten, Koordination internationaler Hilfeleistungen.
- Besonderheit: Unabhängigkeit von jeglicher irdischer Infrastruktur. Ein Draht in den Bäumen und ein Kurzwellentransceiver mit Autobatterie genügen, um mit anderen Kontinenten zu kommunizieren.
Zusammenfassung für den Krisenfall
Ein effektives Notfunkkonzept greift wie Zahnräder ineinander: Während die breite Bevölkerung auf der lokalen Ebene über lizenzfreien Jedermannfunk kommuniziert und sich organisiert, halten Funkamateure die Brücken zur nationalen und globalen Ebene offen, um Informationen dorthin zu transportieren, wo reguläre Netze komplett versagen.